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10 Wünsche, die uns wichtig sind

Die ÖJRK-Kindercharta

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Was brauchen Kinder wirklich? Was würden Kinder ändern, wenn sie die Erwachsenenwelt mehr mit gestalten könnten? Das Österreichische Jugendrotkreuz hat stellvertretend für Kinder zehn Wünsche in Form einer Kindercharta formuliert.

Poster: 10 Wünsche, die uns wichtig sind

2009/2010 hat das ÖJRK Schulklassen und Jugendgruppen eingeladen, Projekte einzureichen für den Bewerb „Lasst uns Kinder sein!“.

Beim ÖJRK-Kindergipfel wurden die besten Einreichungen präsentiert. Expertinnen und Experten sowie Politiker/innen diskutierten die Themen der Kindercharta – und der Song „Lasst uns Kinder sein!“ wurde uraufgeführt.

Im Schuljahr 2012/2013 erscheint der zweite Teil der Posterserie zur Kindercharta.

Die ÖJRK-Schülerzeitschriften Mini-Spatzenpost, Spatzenpost, Kleines Volk und JÖ greifen die Kindercharta auf.

Die Zeitschrift Trio hat die Kindercharta in mehrere Sprachen übersetzt.

Dilemmageschichten bieten Diskussionsimpulse zu den Themen der Kindercharta.

Das Magazin Henri widmet sich in seiner Ausgabe "Junge Wünsche" der ÖJRK-Kindercharta.

 


1. SELBSTWERT

"So wie ich bin, bin ich gut."

Kinder brauchen Vertrauen in die eigene Person und in die eigenen Fähigkeiten. Dann sind sie stark und selbstbewusst.

Kindercharta-Poster 1

Markenkleidung und akzeptiertes Aussehen heben weder den Selbstwert, noch machen sie Kinder glücklich. Suchtverhalten betrifft immer jüngere Menschen. Kinder entwickeln zwar nicht ohne Unterstützung, aber doch auch mit bemerkenswerter Selbständigkeit ihre eigenen Fähigkeiten, Vorstellungen und Ideen, wenn sie nicht vorgegebenen Inhalten, Verhaltensweisen und Zielvorstellungen folgen (müssen), sondern Vertrauen in die eigene Person entwickeln und ihren Möglichkeiten selbstständig nachgehen können.

Der Selbstwert kann durch Eltern und Lehrer gefördert werden, indem die Selbstwirksamkeitsüberzeugung von Kindern gestärkt wird; also der Glaube, fähig zu sein, so zu agieren, dass bestimmte Effekte entstehen bzw. verhindert werden (z.B. Ermöglichen von Selbstregulation, Lob für Selbstständigkeit).

2. RESSOURCEN-ORIENTIERUNG

"Zeig mir meine Stärken! Hilf mir, wo ich schwach bin!"

Jedes Kind will sich entwickeln und etwas leisten. Wer bei Kindern nur nach Fehlern sucht, hindert sie daran, ihre Stärken zu finden.

Kindercharta-Poster 2

Es ist die Aufgabe von Eltern und Schule, Kindern zu helfen, ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und zu nützen, anstatt nach Defiziten zu suchen. Dieser in der Wissenschaft längst vollzogene Perspektivenwechsel des Lernens soll jedem Kind zugute kommen.

Der Wille zur Leistung kommt von innen aus der Lust, etwas zu (er)schaffen. Das Aufzeigen von Schwächen ist dann eine wichtige Lernerfahrung für Kinder, wenn ein fehlertoleranter Erziehungsstil gelebt wird.

3. ZUWENDUNG

"Schenk mir deine Zeit! Nicht nur dein Geld."

Kinder brauchen Zeit und Aufmerksamkeit. Wer Kinder sich selbst, dem Fernseher oder dem Computer überlässt, behindert ihre Entwicklung.

Kindercharta-Poster 3

Kinder brauchen Zuwendung in Form von Zeit und Aufmerksamkeit. Computerspiele, auch solche mit realen Partnern, sind kein Ersatz für direkte Kommunikation.

Damit Kinder sich entwickeln können, brauchen sie Ansprache und gemeinsames Tun. Sie müssen dabei ernst genommen und respektiert werden.

4. BEZIEHUNGEN/BEGLEITUNG

"Ich brauche Eltern, die wissen, was sie tun."

Kinder zu erziehen ist keine einfache Aufgabe. Eltern sind manchmal überfordert.Sie brauchen Bildungsangebote und unterstützung in schwierigen Situationen.

Das Bewusstsein der Eltern zur Erziehung ist zu einem (großen) Teil das Resultat ihrer erfahrenen Erziehung und Sozialisation. Deshalb ist zur Überwindung ungünstiger Traditionen auch ein Anleiten zur Reflexion der elterlichen Handlungen und die Einübung in Alternativen wichtig.

5. BILDUNG/LEISTUNG

"Lernen macht mir Spaß. Verdirb ihn mir nicht!"

Die Schulzeit kann eine schöne Zeit sein. Lernen bedeuetet, gemeinsam zu neuem Wissen und neuen Kompetenzen zu finden.

Kindercharta-Poster 5

Kinder sollen Schule und Lernen als positiv und bereichernd erfahren, weil sie sich ihr ganzes Leben lang immer wieder fortbilden werden müssen.

Nur wenn sie Spaß am Lernen haben, sich für sie passende Ziele stecken und sich bei deren Verfolgen Lerntechniken aneignen, wird das gelingen. Dazu brauchen sie ein Angebot von Lernformen, die auch kreatives und soziales Lernen fördern.

6. ZEIT

"Ich habe einen Traum: die 35-Stunden-Woche für Kinder."

Kinder brauchen Freizeit, die sie selbst gestalten. Schule, Aufgaben, Lernen und andere angeleitete Bildungsaktivitäten sollen nicht mehr als 35 Stunden in der Woche einnehmen.

Kindercharta-Poster 6

Natürlich können und sollen Kinder auch in ihrer Freizeit lernen dann aber selbstbestimmt.

Wenn Lerninhalte mit der Lebenswelt von Kindern verknüpft werden (z.B. fächerübergreifender Unterricht, Einbezug mehrerer Sinnesmodalitäten) und Lernergebnisse sich erlebbar positiv auf die Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Lebenswelt auswirken, können Anreize für selbstmotiviertes Lernen geschaffen werden.

7. ERNÄHRUNG

"Ich will essen, was gut für mich ist."

Kinder haben das Recht auf Zugang zu abwechslungsreicher Ernährung in jeder Lebenssituation. So können Essstörungen und einseitiges Essen vermieden werden.

Kindercharta-Poster 7

Kinder brauchen eine angemessene Ernährung, um sich gesund entwickeln zu können. Essstörungen, Adipositas und Diabetes im Jugendalter werden im Umgang mit Essen und Trinken zu Hause und in der Schule grundgelegt.

Ernährungspräferenzen werden in der frühen Kindheit festgelegt. Kinder entwickeln demnach eine Vorliebe für solche Lebensmittel, die auf der Tagesordnung stehen. Hier können Eltern und Lehrer auf die Ernährungsvorlieben der Kinder Einfluss nehmen.

8. GEWALT

"Ich will nicht schlagen. Und nicht geschlagen werden!"

Jedes Kind kennt Gewalt. Jedes Kind kennt Mobbing. Jedes Kind soll andere Lösungen für Konflikte finden können.

Kindercharta-Poster 8

Gewalt ist eine Erfahrung, mit der jedes Kind konfrontiert ist. Kinder sehen Gewalt in den Medien und erfahren sie immer wieder als Lösungsmittel.

Kinder haben das Recht, andere Lösungsstrategien für Konflikte als körperliche Gewalt und verbale Gewalt (Bullying, Mobbing) kennen zu lernen. Kinder sollen keinen unnötigen Gewaltdarstellungen ausgesetzt werden.

9. MEHRSPRACHIGKEIT

"Ich will Deutsch sprechen! Und meine erste Sprache!"

Jede Sprache ist ein Gewinn. Kinder sollen sowohl in Deutsch als auch in ihrer Erstsprache unterrichtet werden.

Kindercharta-Poster 9

Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, sollen sowohl in Deutsch als auch in ihrer Erstsprache gefördert werden.

Dies verbessert nicht nur ihre Berufschancen, sondern auch ihr Selbstwertgefühl. Die entscheidende Bedeutung der Mehrsprachigkeit muss auch den Eltern näher gebracht werden.

10. UMWELT

"Diese Welt gehört mir. Und allen anderen!"

Jeder von uns ist ein Teil dieser Welt. Gemeinsam können wir sie erhalten. Dazu gehört der Respekt vor der Natur und allen Lebewesen.

Kindercharta-Poster 10

Wir sind aktive Gestalter, die Welt gehört uns, wir sind aber auch von den Auswirkungen unseres Handelns betroffen.

Wir haben eine solidarische Verantwortung, mit unserer Umwelt nachhaltig umzugehen. Respekt gegenüber der Natur und das verantwortliche Umgehen mit dem technisch Machbaren gehören dazu.

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