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Wie können Kinder nach Anschlägen unterstützt werden?

Terroranschläge stellen unser grundlegendes Gefühl der Sicherheit in Frage. Kinder haben viele Fragen zu diesem Thema und äußern fast schon erwachsene Sorgen. Wie können Sie als Pädagog_in oder Elternteil damit umgehen?

Nach Terroranschlagen hinterfragen Kinder die Sinnhaftigkeit der Welt und machen sich gleichzeitig Sorgen darüber, ob ihnen selbst oder ihrer Familie etwas passieren kann. Das können Sie jetzt tun, um Kinder und Jugendliche zu unterstützen:

1. Fragen offen und ehrlich beantworten

Bleiben Sie für Fragen der Kinder offen und lassen Sie sich davon leiten. Ehrlichkeit ist besonders wichtig. Gleichzeitig soll das Kind nicht überfordert werden: Beantworten Sie daher immer nur die Frage, die das Kind gerade stellt. Als Pädagog_in sollten sie das Thema auch in der Schule zulassen. Kinder sollten die Möglichkeit haben in Gruppen über das Ereignis sprechen zu können, auch online. Hören Sie zu und bestärken Sie Positives.

2. Alltagsroutinen aufrechterhalten

Vieles ist gerade aufgrund von Corona anders als sonst. Halten Sie daher Alltagsroutinen so gut wie möglich aufrecht. So werden Kinder in ihrem Wunsch nach Kontrolle und Sicherheit bestärkt.

3. Ablenkung, Spiel und Bewegung ermöglichen

Sorgen Sie dafür, dass sich nicht alles um dieses Thema dreht. Jedes Kind benötigt eine "Verschnaufpause". Mit kleinen Spielen, etwas Ablenkung und eventuell auch Bewegungseinheiten können Sie die Sorgen zumindest für kurze Zeit vertreiben. Kontaktlose Spiele, die gerade während Corona wichtig sind, finden Sie hier: www.get-social.at/toolbox.

4. Dabei helfen, Gefühle auszudrücken 

Unterstützen Sie Kinder dabei, Ihre Gefühle auszudrücken. Berücksichtigen Sie neben den sprachlichen Mitteln auch andere, wie z.B. zeichnen und malen. Dabei sollten Sie das Kind allerdings zu keiner Konfrontation zwingen.

5. Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen

Für Kinder ist es besonders wichtig, das Ereignis mit anderen Gleichaltrigen besprechen zu können. Ermöglichen Sie das und unterstützen Sie in Zeiten von Corona Ihr Kind dabei, sich online mit Freund_innen oder Schulkolleg_innen zu vernetzen.

6. Medienkonsum beobachten

Lassen Sie das Thema länger präsent sein und beobachten Sie, welche Medien Kinder konsumieren und mit wem sie darüber sprechen. Hören Sie gut auf Kinder und ihre jeweiligen Fragen. So können Sie die Verbreitung von Fake News eingrenzen und vermeiden, dass unnötige Ängste entstehen.

7. Positive Geschichten besprechen

Kinder sind besonders empfänglich für emotionale Geschichten, die sie den Medien oder Social-Media-Kanälen entnehmen. Sorgen Sie daher dafür, dass auch positive Geschichten thematisiert werden. Geschichten von Überlebenden sind wichtig für Kinder, um das Ereignis zu verarbeiten.

8. Zuwendung schenken & Partizipationsmöglichkeiten geben

Schenken Sie Kindern vermehrt Zuwendung und sorgen Sie auch längerfristig für Partizipationsmöglichkeiten. In der Schule können Sie vermehrt Aktivitäten durchführen, die die Klassengemeinschaft stärken und zum sozialen Lernen beitragen. 

9. Politische Dimension im Unterricht thematisieren

Besonders bei Jugendlichen ist es wichtig, auch die politische Dimension von Anschlägen zu besprechen. Als Pädagog_in können Sie das in Schulfächer integrieren. Auch das ist besonders wichtig für Jugendliche, um das Ereignis besser einordnen zu können. 

10. Auf Reaktionen von Kindern achten

Wenn Sie wissen, dass ein Kind direkt von den Anschlägen betroffen war, ist es wichtig, langfristig auf ihre Reaktionen und ihr Verhalten zu achten. Häufige Reaktionen und Stressymptome von Kindern sind: Angst, Wut, Rachephantasien und Schuldgefühle.

 

Zum Nachschauen:

Webinar mit Kinder- und Jugendpsychologin Sandra Velasquez

Aus aktuellem Anlass hat sich Sandra Velasquez am 3.11. spontan für einen Crosstalk zur Verfügung gestellt, indem sie erklärt, wie Sie als Lehrer_in, Direktor_in oder Elternteil mit Kindern über Terror sprechen können.

Das Webinar zum Nachschauen finden Sie hier: