logo

Reaktorunfall (Störfall) - Was passiert?

(Siedewasserreaktor)

In der Kerntechnik ist ein Störfall gemäß der Strahlenschutzverordnung ein Ereignisablauf, bei dessen Eintreten der Betrieb der Anlage oder die Tätigkeitaus sicherheitstechnischen Gründen nicht fortgeführt werden kann und für den die Anlage auszulegen ist oder für den bei der Tätigkeit vorsorglich Schutzvorkehrungen vorzusehen sind.

Er unterscheidet sich vom Unfall dadurch, dass sich die Auswirkungen auf die Anlage beschränken. Auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse(INES) entspricht ein Störfall in einer kerntechnischen Anlage der Stufe 2, ein Ernster Störfall der Stufe 3. Stufe 0 entspricht Pannen, die keine oder nur sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung haben. Ereignisse der Kategorie 1 sind Störungen, also Abweichungen vom normalen Betrieb ohne radiologische Auswirkung. In Kernkraftwerken wird bei einem Störfall meist als erste Gegenmaßnahme eine Reaktorschnellabschaltung ausgelöst, und meist treten auch weitere Sicherheits-Systeme in Aktion.

Reaktorunfall


Der Reaktordruckbehälter (1) ist zu etwa zwei Dritteln mit Wasser (2) gefüllt. Durch die Kernspaltung von Uran im Inneren der Brennelemente (3) entsteht Wärme. Dadurch verdampft ein Teil des Wassers und dieses Gas treibt eine Turbine (4) an, die Strom erzeugt. Die Schwachstelle dieses Reaktortyps: Er hat nur einen Wasserkreislauf.

 
Fallen die Reaktorkühlung und alle Sicherheitssysteme aus (1), steigt die Temperatur des Wassers im Reaktordruckbehälter an. Denn die Kernspaltung in den Brennelementen erzeugt Wärme. Und je wärmer das Wasser, desto besser arbeiten die Brennelemente. Es kommt zu einer unkontrollierten Kettenreaktion. Durch die extrem ansteigende Temperatur sinkt der Wasserspiegel im Reaktordruckbehälter(2) ab.


Es kommt zur Überhitzung, die Brennstäbe verlieren ihre feste Form und verschmelzen mitsamt des Kernbrennstoffes - Uran oder Plutonium. Jetzt droht größte Gefahr.


Szenario 1: Der geschmolzene Kern kann sich durch den Reaktordruckbehälterund sämtliche Gebäudehüllen fressen. Er kann ins Grundwasser gelangen und radioaktive Stoffe freisetzen.
Szenario 2: Der Druck im Inneren steigt durch die Verdampfung des Wassers so stark an, dass es zu einer Explosion kommt. Radioaktives Material tritt durch Lecke im beschädigten Gebäude aus.

Simone Hüls/Judith Hartl