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ATOM-UNFÄLLE

Zentrale Begriffe: Von Cäsium bis Super-GAU

Nach atomaren Unfällen ist meistens unklar, wie groß die Gefahr durch beschädigte Atomkraftwerke ist. Ein Glossar der wichtigsten Begriffe soll dabei helfen, Meldungen bei atomaren Unfällen zu interpretieren.

   Was ist ... ?

Cäsium
Das Element Cäsium kommt in geringen Mengen in der Natur vor oder entsteht bei der Kernspaltung. Natürliches Cäsium 133 ist ein goldglänzendes Metall im Gestein. Seinradioaktives Isotop, das gefährliche Cäsium 137, fällt bei der Kernspaltung an. Cäsium 137 kann über die Abluft und das Abwasser aus Atomanlagen gelangen und wird von Tieren und Pflanzen aufgenommen. Hohe Konzentrationen von Cäsium 137 können Muskelgewebe und Nieren des Menschen schädigen.

Dosis
Die Dosis bezeichnet im Zusammenhang mit der Nuklearmedizin die Menge einer Strahlung, die einem Organismus zugeführt wird. Unter der Dosisleistung versteht man die Dosis proZeiteinheit.

GAU
Atomkraftwerke müssen mit ihrer Sicherheitstechnik für den größten anzunehmenden Unfall (GAU) ausgerüstet sein. Ihre Sicherheitssysteme sollen eigentlich so ausgelegt sein, dass auch die schwerste Störung noch beherrschbar ist - als Bedingung für dieGenehmigung.

Jod (Iod)
Man muss zwischen dem "schlechten" und dem "guten" Jod unterscheiden: Die Schilddrüse braucht für die Hormonbildung enorm viel Jod. Wird aber das radioaktive IsotopJod 131 aufgenommen, strahlt es lokal im Schilddrüsengewebe einige Millimeter oder Zentimeter, wodurch sich strahleninduzierter Schilddrüsenkrebs bilden kann. Das soll durch Kaliumjodidtabletten verhindert werden, die unbedingt eingenommen werden müssen, bevor das radioaktive Jod in den Körper gelangt. Nur so kann das ungefährliche Jod die Schilddrüsenspeicher füllen, womit dort kein Platz mehr für das schädliche Isotop ist.

Kernschmelze
Wenn die Kühlung im Reaktor ausfällt, kann es zur Kernschmelze kommen. Das heißt: Die Brennstäbe - in denen sich der radioaktive Brennstoff befindet -erhitzen sich so stark, dass sie ihre Form verlieren. Die Schmelzmasse kann sich bei weiterer Erhitzung durch die Stahlwände des Reaktorbehälters fressen.Damit wird eine große Menge Radioaktivität im Schutzgebäude freigesetzt. Im schlimmsten Fall bahnen sich die Reste des geschmolzenen Kerns ihren Weg nach außen - radioaktive Stoffe gelangen in die Umwelt.

Plutonium
Das radioaktive und hochgiftige Schwermetall Plutonium wird in Atomreaktoren als Brennstoff eingesetzt. Es kommt in der Natur nur in Spurenvor. Es entsteht aber in jedem Atomreaktor und auch bei Atomwaffentests als "Nebenprodukt" der Spaltung von Uranatomen. Brisant ist Plutonium vor allem, weil wenige Kilogramm zum Bau einer Atombombe genügen. Es hat eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren. Nach dieser Zeit ist also erst die Hälfte der Radioaktivitätabgeklungen.

Radioaktivität
Radioaktivität ist die Eigenschaft mancher Stoffe (Radionuklide), sich unter Freisetzung von Energie spontan in andere Atomkerne umzuwandeln. Diese Energie wird in Form von Alpha-, Beta- und Gammastrahlung abgegeben. Radioaktive Stoffe kommen in geringen Konzentrationen in der Natur vor, sie sind aber auch Produkt von Kernumwandlungen in Kernreaktoren.

Sievert
Die Strahlenbelastung biologischer Organismen wird in Sievert (Sv) gemessen. Dabei wird nicht nur die Energie der Strahlung berücksichtigt, sondern auch deren biologische Wirksamkeit. Laut einer Studie beginnen erste Symptome einer Strahlenkrankheit bei 0,15 Sv mit Chromosomenschäden in Lymphozyten (ein Teil der "weißen Blutkörperchen") und Spermien-Anomalien. Bei 0,3 bis 0,7 Sv treten leichte Übelkeit und Kopfschmerzen auf, bei 0,7 bis 1,2Sv kommt es in einem Drittel der Fälle zu Erbrechen, verzögerter Wundheilung und einem Rückgang der Lymphozyten.

Müdigkeit, Schwäche, Erbrechen, Infektionsanfälligkeit, Fieber sind Symptome, die bei einer Belastung von 1,2 bis drei Sv auftreten. Personen, die solchen Dosen ausgesetzt waren, sterben ohne spezielle Behandlung bis zur Hälfte. Bei einer Belastung von drei bis fünf Sv kommen noch u.a. Durchfall, Flüssigkeitsverlust, Appetitlosigkeit und Hautgeschwüre an Symptomen dazu. Rund 50 Prozent der Personen, die rund vier Sv ausgesetzt waren, sterben durch die Strahlenschäden innerhalb der ersten 30 Tage ohne medizinische Behandlung. Ab einer Dosis von sieben Sv gibt es nur noch wenig Überlebenschance.

Strahlenkrankheit
Radioaktive Strahlen können Körperzellen zerstören und tödlich sein. Die Schäden hängen von der Dauer, Art und Stärke der Strahlung ab (siehe Erklärungen zu "Sievert").

Super-GAU
Der Super-GAU ist der "Super-größte anzunehmende Unfall". Kommt es infolge eines schweren Störfalls in einem Kernkraftwerk zu einer Katastrophe, die nicht mehr beherrscht werden kann, ist umgangssprachlich oft von einem "Super-GAU" die Rede. Das ist der Fall, wenn der Reaktorkern schmilzt oder der Druckbehälter birst - wie bei dem bisher größten bekanntgewordenen Unfall in einem Atomkraftwerk 1986 in Tschernobyl in der Ukraine.

(Quelle: www.science.orf.at)