Was genau sind Young Carers und wie viele Kinder und Jugendliche betrifft ds eigentlich in Österreich?
Young Carers sind junge, meist minderjährige Menschen, die regelmäßig für eine kranke oder hilfsbedürftige Person Pflege- oder Unterstützungsaufgaben übernehmen. Meistens handelt es sich um ein anderes Familienmitglied wie Eltern, Geschwister oder Großeltern. Über längere Sicht kann das zu verschiedenen Belastungen oder Schuldgefühlen führen. Wir gehen von mindestens 55.000 Betroffenen in Österreich aus. Wenn man Gruppen, in denen das Phänomen besonders verdeckt ist, hinzuzieht, wie z.B. Flüchtlingsfamilien, wahrscheinlich deutlich mehr als 60.000.
Warum bleiben viele Young Carers lange unentdeckt; selbst in der Schule oder im Freundeskreis?
Young Carers bleiben unsichtbar, weil niemand diese Rolle erwartet. Deshalb schauen wir da nicht hin, wir haben da einen blinden Fleck. Das ist nicht so vorgesehen. Sie bleiben aber auch oft unsichtbar, weil sie sehr gut „funktionieren“, selten klagen und Verantwortung im Stillen übernehmen. Viele reden auch nicht darüber, weil sie es mit einem Makel verbinden. Und einige finde es nicht erzählenswert, weil sie es ganz normal finden und damit aufgewachsen sind.
Wie können Lehrpersonen, Nachbar:innen oder Freund:innen unterstützen?
Wenn man als Nachbar:in oder Freund:in Bescheid weiß, geht es oft gar nicht um konkrete Unterstützung, sondern um Verständnis und gesehen zu werden. Helfen kann man, indem man, ohne zu bewerten zuhört, indem man auch sagt: „Du darfst müde sein.“, „Du darfst weggehen, wenn es dir zu viel ist.“, „Du darfst Kind sein“. Hilfe im Umfeld beginnt dann, wenn wir hinsehen und vielleicht den Raum für mehr Leichtigkeit im Alltag öffnen.
Wie sollte die Unterstützing für Young Carers in Österreich in Zukunft gestaltet sein?
Young Carers haben ein sehr feines Gespür dafür, was sie leisten können – und sie haben das Recht, mitzubestimmen, welche Unterstützung sie wollen. Gleichzeitig dürfen wir uns als Erwachsene nicht allein darauf verlassen, dass sie ihre Grenzen klar benennen. Sie brauchen das, was alle Kinder und Jugendliche brauchen, z.B. verlässliche, starke Beziehungen, Schutz oder Geborgenheit.
Viele gute Dinge für Young Carers sind am Weg. Verschiedene Initiativen geben Entlastung und Unterstützung, wobei die Befriedigung des Bedürfnisses danach, Kind sein zu wollen und eine unbeschwerte Zeit verbringen zu können, häufig im Vordergrund steht. Aber auch Unterstützung für das kranke Familienmitglied; leistbare und hilfreiche Unterstützung für die gesamte Familie, bedeutet gleichzeitig auch Hilfe für Young Carers. Die Kinder und ihre Familien sind untrennbar miteinander verbunden!