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Österreich
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Ferien mit neuen Freunden

Im Juniorcamp des Jugendrotkreuzes lassen Kinder mit schwer kranken Eltern ihre Alltagssorgen hinter sich.

Am Meer blickt man über den Golf von Triest. Vier Mädchen und acht Buben machen hier, in Ankaran, Slowenien, Ferien im Juniorcamp des Österreichischen Jugendrotkreuzes (ÖJRK). Zwei Wochen lang, weit weg von den täglichen Sorgen zu Hause. In den Pinienbäumen lärmen Zikaden. Zwischen Lavendel- und Rosmarinsträuchern huschen Eidechsen herum. Es ist ein Mittag bei 34 Grad, als die Kinder vom Einkaufen und Eisessen zurückkommen.
 

Tricis neuntes Camp

Adina hat eine Taucherbrille gekauft. Nach dem Mittagessen gehen alle zum Strand. Beatrice „Trici“ Gschanes leitet das Juniorcamp schon zum neunten Mal. An ihrer Seite arbeiten Helene, Eva, Elias, Gerhard und Daniel. Sie sind mehr als ein Team: Freunde, die sich vom Roten Kreuz kennen. Als freiwillige Rettungssanitäter, die Medizin studieren oder Lehrerinnen werden. Eva war dreimal Teilnehmerin. Inzwischen ist sie 18 und zum ersten Mal Betreuerin. Freiwillig und unbezahlt kümmern sich alle hier um die Kinder.
 

„Die anderen verstehen mich“

Adina war neun, als sie zum ersten Mal im Juniorcamp war. Jetzt ist sie 13 und zum vierten Mal dabei. Dass man hier nichts erklären muss, ist ihr wichtig. Alle verstehen, was man selbst durchgemacht hat: dass die Eltern krank sind, dass Vater oder Mutter gestorben sind. „Verschiedene Menschen – ähnliche Geschichten“, sagt sie. Doch im Juniorcamp wird abgeschaltet: am Strand, beim Volleyball oder Basketball: „Wir lassen die Welt für zwei Wochen zurück.“ Tobias hat in „Mein Express“, einer der Volksschul-Zeitschriften von „Gemeinsam lesen“, vom Juniorcamp erfahren und sich gedacht: „Da will ich hin!“ Heuer ist er schon zum zweiten Mal dabei.

Laura ist zum zweiten, Lisa zum ersten Mal Teilnehmerin. Die beiden stecken ständig zusammen. Dabei haben sie sich erst im Bus nach Ankaran kennengelernt. Lisa war zuerst misstrauisch: „Ich kenne dort niemanden!“ – „Genau wie ich beim ersten Mal“, ergänzt Laura.

Inzwischen wissen sie, dass man im Juniorcamp Freunde fürs Leben findet: Denn niemand bleibt mit seinen Erfahrungen allein. Man kann einander erzählen, was einem geholfen hat.
 

Kein Platz für Kindheit

Als ihr Vater starb, „hat meine Kindheit mit einem Schlag aufgehört“, berichtet Adina. „Zu Hause bin ich kein Kind mehr“, sagt auch Laura. Sie ist für Wäsche und Haushalt zuständig, wenn die kranke Mama nicht mehr kann. Dass man mithilft, ist für sie klar. Aber auch: Für die Kindheit bleibt so kein Platz mehr.

Heute Abend gibt es eine Schnitzeljagd, auf die sich alle freuen, morgen wartet eine Überraschungs-Olympiade mit Kajakfahren.

„Viele Menschen haben kein Verständnis für unsere inneren Verletzungen. Weil man sie nicht sehen kann wie einen gebrochenen Fuß“, sagt Adina.

„Das sind Wunden, die immer wieder aufreißen“, ergänzt Laura. „In der Schule werde ich gemobbt, weil meine Eltern nicht kerngesund sind“, berichtet Lisa, „aber hier im Juniorcamp wird man nicht ausgeschlossen.“

Marie stellt sich zu der kleinen Runde. „Nein“, sagt sie, „hier im Juniorcamp sind nur Leute, die einen nehmen, wie man ist.“

Erschienen in unseren Schülerzeitschriften SPACE und SPOT im Februar 2022.

Aktuelle Termine:

Juniorcamp

Montag, 13. Juli bis Sonntag, 23. Juli 2026

Ankaran, Slowenien

 

Young Carers Retreat

Freitag, 22. Mai bis Sonntag, 24. Mai 2026

Ammersee, Deutschland