Tobias liebt Fußball. Seit 9 Jahren spielt er im Verein und seit einem Jahr ist er sogar Schiedsrichter. Der Sport hilft ihm dabei, die Krankheit seines Vaters zu verarbeiten.
Große Leidenschaft
Tobias war fünf Jahre alt, als er begann, Fußball zu spielen. Was als Hobby anfing, stellte sich schon bald als große Leidenschaft heraus. „Mein Leben ist Fußball“, lacht Tobias, „in meiner Mannschaft bin ich Kapitän. Dreimal in der Woche trainiere ich. Am Wochenende spiele ich einmal selber in einem Match und zweimal pfeife ich.“
Auf dem Spielfeld
Dass er Schiedsrichter werden könnte, hat ihm ein Freund vorgeschlagen. Dafür muss man körperlich fit sein, die Regeln kennen und einen Kurs absolvieren. Zu Beginn wird man von einem erfahrenen Schiedsrichter begleitet und dann darf man die Spiele allein pfeifen. Auch wenn es ihm großen Spaß macht, ist es manchmal anstrengend: zum Beispiel wenn sich Eltern oder Trainer zu sehr einmischen. Aber Tobias hat schon früh gelernt, sich zu behaupten. Als er noch in der Volksschule war, haben ihn die anderen Kinder öfter gehänselt. Ein Papa, der nicht arbeitet, viel zu Hause ist, dauernd müde ist und nicht mehr Auto fährt? Das fanden sie komisch. Tobias war das egal. Er wusste, dass es nach einer Operation am Gehirn lange dauert, bis man wieder im Alltag ankommt.
Groß wie eine Blutorange
Sein Vater hatte einen Tumor im Gehirn, so groß wie eine Blutorange. Das meiste davon konnte in einer langen Operation entfernt werden, doch damit war es noch nicht geschafft. Nach so einer Operation muss man mit vielem wieder von vorne anfangen. Tobias’ kleiner Bruder begann zu dieser Zeit mit der Volksschule. Wegen Corona war Homeschooling angesagt und gemeinsam lernten Moritz und sein Papa Buchstaben, Zahlen, Lesen, Schreiben und Rechnen. Mit Besteck zu essen, allein zu duschen und die richtigen Wörter zu finden, stand nur für Papa auf dem Stundenplan.
„Helfen ist ganz normal“
Dass Tobias und Moritz damals viel zu Hause geholfen haben, ist für die beiden immer noch selbstverständlich. „Wir haben Papa die Socken angezogen und seine Sätze fertig gesagt. Sein Lieblingswort war ‚Dings‘, weil ihm das richtige
Wort nicht eingefallen ist. Das war für uns ganz normal.“ Mittlerweile ist der Familienalltag wieder einfacher geworden. Ganz gebannt ist die Gefahr jedoch nicht, denn der Tumor ist noch da. Alle sechs Monate wird kontrolliert, ob er nicht zu schnell wächst.
Abenteuer am Meer
Nicht nur Fußball hat Tobias damals Kraft gegeben, sondern auch das Juniorcamp vom Jugendrotkreuz für Young Carers. Dreimal war er dabei: zwei Wochen Urlaub ohne Verpflichtungen und Sorgen, dafür mit Spaß, Sport und Abenteuer. „Die erste Nacht hatte ich schlimmes Heimweh, aber dann hat es sehr viel Spaß gemacht.“ Er schwärmt von Ausflügen zum Meer, Abenteuerspielen im Wald, Kinoabenden und einer „Casino“-Nacht mit Süßigkeiten als Einsatz.
Inzwischen verbringt Tobias seine Ferien auf dem Fußballplatz. Beim Spielen und Pfeifen als Schiedsrichter kann er den Tumor in Papas Kopf ganz gut vergessen. Dem Tumor die rote Karte zeigen – das funktioniert leider nicht.